vegan
mehr als ernährung

warum Veganismus?

Die Gründe, die für uns ausschlaggebend sind, vegan zu kochen und vegan zu leben, haben wir in diesem Text grob in vier Themenbereiche unterteilt, auch wenn dabei möglicherweise Überschneidungen entstanden sind.
Wir erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Es gibt sicherlich weitere Gründe und Argumente, aber dieser Rahmen ist zu eng für eine erschöpfende Behandlung des Themas, gerade weil wir das Unterdrückungsverhältnis zwischen Menschen und Tieren als Teil und Resultat der Gesellschaftsordnung begreifen, der mit allen anderen Formen von Diskriminierung und Herrschaft verwoben ist. Sich all diesen Themen- und Problemkomplexen in ausreichender Form zu widmen, würde jeden beliebigen Rahmen sprengen.
Auch sagt die Reihenfolge, in der die Themenbereiche vorgestellt werden, nichts über eine Rangfolge im Sinne von "wichtig" und "weniger wichtig" aus.

Tierhaltung/Umgang mit Tieren
Das Fleisch, das Menschen essen, stammt in den allermeisten Fällen von Tieren, die nur als Fleisch gezüchtet und auch dementsprechend respektlos behandelt worden sind.
Belege dafür sind beispielsweise dreigeschossige Transport-Lkws für Schweine, die, mittlerweile nur noch nachts, um den KonsumentInnen die Grausamkeit nicht direkt zu zeigen, massenhaft auf Autobahnen zu sehen sind, in denen die Tiere mit Medikamenten ruhig gehalten werden müssen, um nicht vor Angst zu sterben oder Hühnermastfarmen, in denen täglich Tausende gerade mal etwas über einen Monat alte Hühner nach einem völlig unwürdigen Leben am Fließband zu Essen verarbeitet werden.
Pfote und Faust Jedoch wird nicht nur Fleisch, Fell und Leder in dieser Weise produziert, sondern auch alle anderen Produkte, die von Tieren stammen oder in deren Produktionsweg Tiere eine Rolle spielen.

Tiere, die von Menschen gehalten werden, um Milch, Eier oder andere Produkte zu liefern, sind ebenso der Willkür ihrer BesitzerInnen unter-worfen wie das oben erwähnte "Schlachtvieh". Sie fristen ein genau geplantes, unnatürliches und meist grausames Dasein, bis sie nicht mehr die gewünschten Ergebnisse liefern, werden dann überflüssig und entsorgt, also getötet. Es besteht kein Unterschied in der Respektlosigkeit und der Grausamkeit gegenüber Tieren, ob sie nun wegen ihrer Milch oder ihrem Fleisch gehalten werden. Veganismus ist daher nur konsequenterer Vegetarismus.

Milch: Eine Kuh, die nicht gekalbt hat, gibt auch keine Milch. Um die hohe Milchleistung zu erhalten, müssen Milchkühe jedes Jahr ein Kalb austragen. Im Alter von etwa fünf Jahren nimmt der Milchfluss ab und die Kuh wird vom Schlachter getötet. Ein weibliches Kalb wird aufgezogen, um das Muttertier zu ersetzen. Die anderen enden zwecks Labgewinnung für die Käseherstellung nach kurzer Zeit oder nach längerer Mastzeit beim Schlachter. Zur Vermeidung eines Überangebotes werden viele Kälber sofort nach der Geburt getötet.

Mitleidsethik/Philosophie
Fragen, die auf der Basis einer Ethik die Umgehensweise von Menschen mit anderen Tieren betreffen, sind nicht pauschal oder mit Fakten zu beantworten. Wir stellen sie trotzdem:
Geht es darum, sich keine Tiere zu Nutze zu machen, deren Nervensystem sie dazu befähigt, Leid zu empfinden oder darum, grundsätzlich kein Lebewesen zu instrumentalisieren? Wie verhält es sich beispielsweise mit [Seiden-] Raupen oder [Honig-] Bienen?
Basiert die Entscheidung der oder des Einzelnen, vegan zu werden, also auf empathischen Einsichten oder ist das Instrumentalisierungs-Verbot ein moralischer Grundsatz, der auch auf nichtmenschliche Tiere anzuwenden ist?

Glückliche Kühe: Das vermeintlich glückliche Leben von sogenanntem "Schlachtvieh" auf Ökohöfen endet, nach der ein oder anderen "unumgänglichen Unannehmlichkeit" dann, wenn die BesitzerInnen es wollen, und die "humane" Schlachtung ist trotz allem Mord an einem fühlenden Lebewesen.
Außerdem ist es ein logischer Fehlschluss, dass es besser ist, Tiere nach einem "guten" Leben zu schlachten, als nach einem Leben voller Schmerz.
Tiere sind nicht zum Essen da. Kein Mensch sollte sich das Recht herausnehmen, nur weil er in der Lage dazu ist, ein anderes Wesen bloß als Nahrung zu halten und frei über den Tod des Wesens zu entscheiden. Ein Tier ist, wie jeder Mensch auch, erst einmal für sich selber da und definitiv kein Fleischlieferant.

Ökonomie
Auch ist eine vegane Lebensweise sehr viel ökonomischer, für die Herstellung von einem Kilo Fleisch wird etwa die hundertfache Menge Trinkwasser benötigt, die zur Produktion von einem Kilo Getreide gebraucht wird, also ca. 20000 l, die Menge, die hier eine durchschnittliche Familie in einem Monat verbraucht. Die Tiere wachsen, produzieren sehr viel Wärme und verbrauchen pflanzliche Nahrung, all diese Energie geht zum allergrößten Teil verloren und könnte, bei rein pflanzlicher Ernährung, von Menschen direkt verwertet werden.

Ökologie
Haltung und Vermarktung von Tieren tragen erheblich zur nachhaltigen Schädigung der Umwelt bei. Für die Aufzucht von " Nutztieren " werden oft Regenwaldflächen gerodet, um Futtermittel anzubauen oder um Weideflächen zu schaffen. Die Ausscheidungen der riesigen Herden setzen sehr viel Methan frei, das maßgeblich den Treibhauseffekt verstärkt. Die entstehenden Güllemengen tragen enorm zur Bodenverseuchung bei und da nur sehr wenige Pflanzenarten bei derartigen Giftmengen überleben, werden Felder mit Monokulturen bepflanzt. Diese Felder aber müssen mit großen Mengen an Pestiziden behandelt werden.

Waldsterben: 30% des Waldsterbens in den Niederlanden sind direkt auf Massentierhaltung zurückzuführen.

Umfassender Anspruch
Veganismus ist in seiner politischen Form keine verkürzte Boykott- oder Verzichtsethik.
Unser Veganismus erschöpft sich nicht darin, dass wir uns anders ernähren als es normal zu sein scheint, sondern beinhaltet ständige Diskussion, das Aufzeigen von Alternativen, Kritik und Zusammenhängen, Selbstreflexion das Vermitteln und Verarbeiten von Informationen.
Veganismus in seiner politischen Form ist Teil einer emanzipatorischen Praxis.
Uns ist klar, dass die Forderung nach sogenannten Tierrechten bei einer radikalen Gesellschaftskritik zu kurz greift. Die vorherrschenden Unterdrückungsmechanismen, deren spezielle Auswirkung auf nicht-menschliche Tiere wir in diesem Text beleuchten wollen, können nur zusammen mit dem Kapitalismus überwunden werden: Da Tiere als eine gewinnbringende Resource behandelt werden, kann nicht sichergestellt werden, dass in einem auf Gewinnmaximierung angelegten System eine Verbesserung der Lebensbedingungen der Tiere dauerhaft Bestand hat. Wenn Proteste aufhören, wird schnell zu den Bedingungen zurückgekehrt, gegen die protestiert wurde, auf Grund von emphatischen Einsichten wird im Kapitalismus nichts, was Profite bringt, aufgegeben.

Hinzu kommt, dass Food Not Bombs den Anspruch hat, Essen für alle Menschen zu kochen und da bietet es sich an, möglichst keine Produkte zu verwenden, die einige Menschen aus moralischen Gründen aus ihrem Nahrungsplan getrichen haben.

Auf was wird verzichtet? Natürlich ist es erst einmal einfach, Tierprodukte aus dem Speise- und Kleidungsplan zu streichen.Genauer betrachtet wird es schon schwieriger:
Bei der Herstellung von Soja-Joghurt wird oft immer wieder Kuhmilch benötigt, um Joghurtkulturen zu züchten, das Endprodukt selbst ist aber frei davon. Viele VeganerInnen entscheiden sich gegen den Konsum solcher Produkte, weil in der Herstellung immer wieder Tiere zu Schaden kommen.
Bei ganz genauer Betrachtung des Produktionswegs wird mensch feststellen, dass kein Produkt so entstanden, transportiert oder etikettiert ist, das es einem absolut gesetzten, veganen Standart genügt.
Auch Konsumgüter, die keine Nahrungsmittel sind, beinhalten oft tierische Produkte oder werden an Tieren getestet. In den meisten Körperwaschmitteln ist beispielsweise Knochenmehl oder Schlachtfett verarbeitet worden, Schafwoll-Pullis und Lederkleidung haben das Tierprodukt schon im Namen, die meiste Kosmetik wird sinnloser Weise an Tieren auf Verträglichkeit getestet. auf diese Produkte zu verzichten und Ersatz zu finden fällt sehr leicht, nur wird oft deren Zusammensetzung nicht bedacht, es gibt ja keine "Zutaten-" oder "getestet an -" Liste.

Vegan zu sein hat für uns nichts mit irgendwelchen absurden esotherischen Vorstellungen von Reinheit oder ähnlichem zu tun, lediglich damit, die Leidensfähigkeit von empfindsamen Wesen anzuerkennen.
Danke für Dein Interesse!
[Stand: April 2006]


zum weiterlesen: Einige Gruppen und Einzelpersonen stehen, oft auch politisch begründet, VegetarierInnen und VeganerInnen sehr skeptisch bis feindseelig gegenüber, was bis zu Beschimpfungen wie "faschistoide VerzichtsethikerInnen" führt. nichts richtiges im falschen. ist eine reaktion auf solche positionen.

der Text ist nicht "Gruppenmeinung" und soll nur Diskussions-Anstoß sein.

.STOP CONSUMING ANIMALS!
go vegan.

hier eine kleine rezeptesammlung.
zum anfang